
Steilstufenwirt St. Oswald/Haslach - das Dorfprojekt mit Herz
Das Projekt „Steilstufenwirt“ zeigt eindrucksvoll, wie durch Bürgerbeteiligung, kreative Ideen und gemeinsames Engagement neue Impulse für ländliche Regionen entstehen können. In St. Oswald bei Haslach wurde mit viel Herzblut und Unterstützung der Bevölkerung ein leerstehendes Gebäude in ein modernes Begegnungszentrum verwandelt – getragen von einer starken Gemeinschaft und einer visionären Bürgergenossenschaft.
Vom Verschwinden der Treffpunkte zum gemeinsamen Neubeginn
Bereits vor Jahrzehnten schlossen in St. Oswald das letzte Gasthaus und der Nahversorger ihre Türen. Damit verschwanden nicht nur zentrale Versorgungsstrukturen, sondern auch wichtige Orte der Begegnung, des Austauschs und des Miteinanders. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – des regen Vereinslebens blieb der Wunsch nach einem gemeinsamen Treffpunkt groß.
Eine von Bürgermeisterin Heidemarie Silber im Herbst 2020 initiierte Bürgerbefragung brachte es klar zum Ausdruck: Ein sozialer Treffpunkt fehlt. Daraufhin entstand die Idee, gemeinsam mit den örtlichen Vereinen – darunter auch der Dachverein „Oswald Aktiv“ – neue Wege zu gehen und die Dorfmitte wiederzubeleben.
Bürgerbeteiligung als Schlüssel zur Dorfentwicklung
Mit Unterstützung der SPES Zukunftsakademie startete im April 2021 ein Agenda.Zukunft-Schwerpunkt- und Impulsprozess. Ziel war es, gemeinsam mit der Bevölkerung Ideen für eine nachhaltige Wiederbelebung des Ortszentrums zu entwickeln.
Im Rahmen der Oswalder Zukunftstage im Juni 2021 beteiligten sich über 180 Personen an neun Veranstaltungen – eine beeindruckende Zahl bei nur rund 500 Einwohnerinnen und Einwohnern. Gemeinsam wurden Ideen gesammelt, wie ein Gastronomiebetrieb samt Nahversorger in der Gemeinde wieder entstehen könnte.

Am 15. August 2022 präsentierte die Gemeinde zwei Grobkonzepte und Kostenschätzungen. Die Entscheidung fiel eindeutig aus: Die Bevölkerung sprach sich mit großer Mehrheit für den Standort „Alte Volksschule / ehemalige Raiffeisenbank“ aus – realisiert in Form einer Bürgergenossenschaft.
Im November 2022 wurde schließlich die Bürgergenossenschaft St. Oswald eGen gegründet. Unter dem Motto: „Was eine(r) nicht schafft, schaffen viele!“
beteiligten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger – durch den Kauf von Genossenschaftsanteilen, ehrenamtliche Arbeitsstunden oder einfach durch ihre Begeisterung.
Vom Leerstand zum lebendigen Zentrum
Nach intensiver Planung, Genehmigungen und Finanzierungsvorbereitung begann im April 2024 der Umbau. In nur 14 Monaten entstanden durch über 7.000 freiwillig geleistete Arbeitsstunden ein Ort der Begegnung, des Genusses und der Gemeinschaft – ein echtes Dorfprojekt mit Herz.
Ein Fest für die ganze Gemeinde
Am 29. Juni 2025 war es schließlich so weit: Der „Steilstufenwirt“ öffnete feierlich seine Türen. Zahlreiche Ehrengäste, Vereine, Genossenschaftsmitglieder und hunderte Besucherinnen und Besucher feierten gemeinsam den gelungenen Abschluss dieses einzigartigen Projekts.
Heute zählt die Bürgergenossenschaft St. Oswald eGen mit Obfrau Bürgermeisterin Heidemarie Silber rund 250 Mitglieder – überwiegend Personen aus der Bevölkerung, aber auch ehemalige Oswalderinnen und Oswalder sowie Unterstützerinnen und Unterstützer aus der gesamten Region.

Ein Projekt mit Signalwirkung
Der „Steilstufenwirt“ ist weit mehr als ein Gasthaus – er ist ein Symbol für Zusammenhalt, Selbstbestimmung und Zukunft im ländlichen Raum.
Was als Wunsch nach einem Treffpunkt begann, wurde zu einem Vorzeigeprojekt für bürgerschaftliches Engagement und zeigt, was möglich ist, wenn eine Gemeinde gemeinsam anpackt.
Weitere Informationen
