Gruppenfoto von ca. 15 Männern und Frauen
Innovative Modellprojekte
Sorgende Gemeinschaft
Kirchberg-Thening
30.03.2026

KUM - Kümmern ums Miteinander in Kirchberg Thening

Kirchberg-Thening gehört zu jenen Gemeinden, die aktiv daran arbeiten, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und auf die Herausforderungen des demografischen Wandels zu reagieren. Im Rahmen des Agenda.Zukunft-Basisprozesses wurde das Leitthema „Kirchberg-Thening ist aktiv und gut vernetzt“ entwickelt – mit dem klaren Ziel, die Lebensqualität in der Gemeinde langfristig zu sichern und soziale Teilhabe zu fördern.

„Mir ist es wichtig, dass ältere Menschen bei uns im Ort teilhaben können. Dafür wollen wir Aktionen setzen.“
Brigitta Michetschläger, Initiatorin des Projekts

Hintergrund und Zielsetzungen

Aus dieser Zielsetzung entstand das Projekt „Kümmern ums Miteinander“ (KuM), das sich dem Aufbau eines ehrenamtlichen Besuchsdienstes widmet. Das Projekt möchte älteren Menschen Wege aus der Einsamkeit eröffnen und ihnen durch regelmäßige Begegnungen soziale Nähe und Wertschätzung schenken. Zugleich stärkt es das Miteinander der Generationen und schafft ein Klima gegenseitiger Achtsamkeit. Unter dem Leitmotiv „Wir schauen aufeinander“ steht KuM für eine lebendige Sorgekultur, die das gesellschaftliche Füreinander im Alltag sichtbar macht.

Das Thema ist aktueller denn je: Viele ältere Menschen leben heute allein, Familienstrukturen verändern sich, und soziale Kontakte werden seltener. Einsamkeit kann zur Belastung werden – mit negativen Folgen für Gesundheit und Lebensfreude. Das KuM-Projekt setzt hier an und schafft durch freiwilliges Engagement Räume für Begegnung, Zuhören und gemeinsames Erleben.

Projektaufbau und Aktivitäten

Das Herzstück des Projektes bildet eine engagierte Gruppe von derzeit zwölf Freiwilligen, die sich seit Herbst 2024 für den Aufbau des Besuchsdienstes einsetzen. Sie besuchen ältere Menschen in Kirchberg-Thening, bieten Gespräche und Gesellschaft an und schaffen so wertvolle soziale Verbindungen. Die ersten Begegnungen zeigten bereits, wie bereichernd und zugleich herausfordernd dieses Engagement ist: Es erfordert Offenheit, Einfühlungsvermögen und oft auch den Mut, schwierige Themen wie Krankheit oder Abschied anzusprechen.

Um die Ehrenamtlichen bestmöglich auf diese verantwortungsvolle Aufgabe vorzubereiten, wurde ein umfassendes Schulungsprogramm entwickelt. Es vereint fachliche Inhalte mit persönlichkeitsbildenden Elementen und fördert so sowohl Wissen als auch Haltung. Nach erfolgreicher Absolvierung wurden alle Teilnehmenden als Generationenbegleiter:innen ausgezeichnet. 

Die Schulungsreihe umfasst folgende Module:

  • Fürsorge beginnt bei mir selber (Anton Stejskal) – zur Stärkung der Selbstfürsorge und Abgrenzung im Ehrenamt
  • Senior:innen im Mittelpunkt (Maria Hutterer) – Einblicke in Lebenslagen und Bedürfnisse älterer Menschen
  • Kommunikation mit Menschen mit Demenz (Gerlinde Arnreiter) – Strategien für einfühlsame Gesprächsführung
  • Hausbesuche in der Praxis (Ulrike Ganslmeier) – Reflexion und Austausch zu konkreten Alltagssituationen
  • Erste Hilfe mit Fokus auf ältere Menschen (Markus Marcel Eder, Rotes Kreuz) – Sicherheit und Handlungskompetenz im Notfall
  • Rechtliche Grundlagen in der Freiwilligenarbeit (Bernhard Prommegger) – Rechte, Pflichten und Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche
  • Letzte Hilfe – Umgang mit Sterben, Tod und Trauer (Martin Prein) – Auseinandersetzung mit dem Lebensende als Teil menschlicher Begleitung
  • Gesund im hohen Alter – Wissen über körperliche und seelische Gesundheit im Alter
Eine Gruppe von Menschen in einem Saal

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen, dass die Schulungen nicht nur praxisrelevant, sondern auch persönlich bereichernd sind. Viele Ehrenamtliche berichten von gestärktem Selbstvertrauen, neuen Perspektiven auf das Alter und einer vertieften Empathie für die Lebensgeschichten der Menschen, die sie besuchen.

Parallel dazu wurde ein Informationsfolder erstellt, der übersichtlich über Ziele, Ablauf und Kontaktmöglichkeiten des Besuchsdienstes informiert. Er dient als Einladung sowohl an mögliche Freiwillige als auch an ältere Gemeindebürger:innen und deren Angehörige, mit dem KuM-Team in Kontakt zu treten.

 

Beteiligung und Wirkung

KuM ist als Gemeinschaftsprojekt angelegt, das auf breiter Beteiligung aufbaut. Neben den ehrenamtlich Engagierten sind auch Gemeindevertreter:innen, soziale Einrichtungen, Vereine und lokale Fachstellen eingebunden. Durch regelmäßige Treffen, öffentliche Veranstaltungen und eine gezielte Kommunikationsarbeit wird das Projekt im Gemeindeleben sichtbar verankert.

Die ersten Rückmeldungen sind durchweg positiv: Die besuchten Personen freuen sich über die persönlichen Begegnungen, und auch Angehörige empfinden Entlastung und Freude über das wachsende Unterstützungsnetzwerk. Gleichzeitig erleben die Freiwilligen ihre Tätigkeit als sinnstiftend und verbindend – viele berichten, dass sie selbst durch die Gespräche und Begegnungen wachsen.

KuM trägt somit dazu bei, dass in Kirchberg-Thening eine tragfähige Sorgekultur entsteht, die auf Vertrauen, Verantwortung und menschlicher Nähe basiert.

Kirchberg-Thening setzt mit dem Projekt „Kümmern ums Miteinander“ ein starkes Zeichen für ein solidarisches, generationenübergreifendes Zusammenleben im ländlichen Raum. Die Kombination aus freiwilligem Engagement, fachlicher Begleitung und aktiver Öffentlichkeitsarbeit zeigt eindrucksvoll, wie Gemeinschaft und soziale Verantwortung konkret gelebt werden können.

Langfristig kann KuM als Modellprojekt für andere Gemeinden im Agenda.Zukunft-Netzwerk dienen und Impulse geben, wie Teilhabe, Achtsamkeit und Miteinander auch in kleinen Gemeinden erfolgreich umgesetzt werden können.

 

Geselliges Beisammensein von Senioren beim Kaffeenachmittag oder einer Veranstaltung, die zum Austausch einlädt.

 

 

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