Ansicht des Stadtplatzes von Vöcklabruck
News
25 Jahre Agenda OÖ
Braunau, Ried, Vöcklabruck, Wels
15.11.2023

Zukunftsarbeit und Bürgerbeteiligung in Städten

Agenda.Zukunft findet nicht nur in ländlichen Gemeinden statt. Auch in Oberösterreich haben bereits einige Bezirks- und Statutarstädte einen Beteiliugngsprozesse gestartet. Viele BürgerInnen, die eingebunden werden wollen, komplexere Strukturen und die Vielzahl an Themen in unterschiedlichen Räumen erfordern aber eigene, an die Stadt angepasste Prozessdesigns.

Zukunftsarbeit in Städten erfordert aufgrund der höheren Bevölkerungszahl und und einer  -struktur, der Vielzahl an Themen in unterschiedlichen Räumen und der komplexeren Verwaltungs- und Politikstrukturen einen an die Stadt angepassten Prozess.

Auch in Oberösterreich haben bereits einige Bezirks- und Statutarstädte einen Agenda.Zukunft-Prozesse gestartet. Anhand der Beispiele Braunau, Ried, Vöcklabruck oder auch Wels wird deutlich, welche Unterschiede zu Prozessen in kleineren Gemeinden erkennbar sind.

  • Es sind in der Regel komplexere Abstimmungs- und Steuerungsstrukturen neben dem Agenda-Kernteam (z.B. Agenda-Beiräte, Agendarat Braunau,…) notwendig.
  • Es brauchte eine Institutionalisierung der Agenda.Zukunft-Arbeit durch physische Anlaufstellen und Agenda-Beauftragte z.B. Agenda-Büros
  • Es besteht eine Notwendigkeit von vielfältigeren Beteiligungsformate und Veranstaltungen, um Menschen in der Stadt zu erreichen, beispielsweise Jugendrat, Stadtteilgespräche, Stadtspaziergänge, etc.
  • Bürgerbeteiligung ist ein wesentlicher Bestandteil von meist umfassenden Stadtentwicklungsprozessen (inkl. Fachplanungen)

Braunau 21. Dein Leben, Deine Stadt, Deine Entscheidung

Mit diesem Motto begann 2013 in Braunau der umfassende Dialog der engagierten Menschen über die Zukunft ihrer Stadt. Der damals bisher größte Agenda-Prozess in Oberösterreich fand 2017 im Rahmen eines Follow-Up-Prozesses seine Fortsetzung. Zwischenzeitlich wurde 2015 ein Jugendrat einberufen, um die Ideen der jungen Bürgerinnen und Bürger zur Gestaltung ihrer Zukunft in Braunau zu erfahren und entsprechende Projekte umzusetzen.

Zentrale Instrumente der Bürgerbeteiligungskultur in Braunau ist der Agendarat und das Agendabüro. Während sich ersteres als „Wächter“ des Zukunftsprofils und dessen Umsetzung versteht, übernimmt das Agendabüro im Stadtamt die Funktion der Schnittstelle zwischen allen Akteuren im Braunau21-Prozess und steht als erste und dauerhafte Anlaufstelle für die interessierten Bürgerinnen und Bürger und Projektideen aus der Zivilbevölkerung bereit.

Im Rahmen des Agenda-Prozesses in Braunau sind Maßnahmen entstanden, die bereits nachhaltig wirken und sich in Braunau etabliert haben. Darunter das vom Y4U, Jugendforum Braunau organisierte Ferienprogramm für Jugendliche oder der Fahrradbasar sowie das Nachbarschaftsradln des Vereins Braunau.mobil, der aus dem Agenda-Prozess entstanden ist. 

Braunau 21

 

Zukunft.Ried für eine Stadt voller Möglichkeiten

Die Bezirkshauptstadt Ried startet im September 2022 in einen intensiven Agenda.Zukunftsprozess mit den Titel „Zukunft.Ried“. Der Prozess baut auf zwei Säulen auf.  Neben einer umfassenden Grundlagenermittlung durch Fachplanungen wie einer Stadtklimaanalyse, Sozialraumanalyse und Mobilitätskonzept, bildet die Bürgerbeteiligung den zweiten wichtigen Schwerpunkt. Beide Säulen des Stadtentwicklungsprozesses sollen miteinander verknüpft werden und in einem strategischen Zukunftsprofil für eine nachhaltige Stadtentwicklung bis Ende 2023 münden.

In zahlreichen Beteiligungsformaten, wie dem Bürgerrat, GemeindeNavi Agenda 2030, Zukunftstagen, Agenda-Beiräten, Informationsveranstaltungen, Projektwerkstätten, digitale Beteiligung über Bürgercockpit, etc. hatten die Riederinnen und Rieder die Möglichkeiten ihr Anliegen zu äußern und sich gleichzeitig über die Fortschritte der Fachplanungen zu informieren. In sogenannten Stadtteilgesprächen, für welche die Stadt in zehn Stadtteile gegliedert wurde, suchte man die Bürger*innen im unmittelbaren Lebensumfeld auf und ging auf die Potenziale und Herausforderungen der einzelnen Stadtteile ein.

Ried im Innkreis hat für den Beteiligungsprozess mit dem „Stadtentwicklungsforum“ in der Wohlmayrgasse 4 auch eine physische Anlaufstelle geschaffen. BürgerInnen und Interessierte können sich dort direkt vor Ort informieren und sich einbringen. Eine Agenda-Beauftragte ist wöchentlich 20 Stunden vor Ort und steht als Ansprechperson seitens der Stadt Ried im Innkreis, auch nach Abschluss des Prozesses, zur Verfügung.

Zukunft.Ried

 

Innenstadt-Impulsprogramm in Vöcklabruck

Die Bezirksstadt Vöcklabruck beschäftigt sich schon seit rund einem Jahrzehnt mit dem Thema der partizipativen Stadtentwicklung. Ein erster Schwerpunkt wurde mit dem Jugendbeteiligungsprojekt "Level Up Your City!" gesetzt, mit dem von 2012 bis 2016 Jugendliche und junge Erwachsene in ihrem Engagement rund um eine nachhaltige Entwicklung unterstützt und begleitet wurden.  Ein wesentliches Kernelement war der Jugendrat, welcher 2020 seine Fortsetzung fand. Seit Ende 2018 steht das spezifische Thema der Innenstadtentwicklung und -belebung im Mittelpunkt. Das sogenannte „Innenstadt-Impulsprogramm“ verfolgt das vorrangige Ziel, von sektoral geprägten Maßnahmen zur Belebung der Innenstadt zu einem ganzheitlich gedachten Entwicklungsprozess zu kommen bzw. auch die Bestrebungen vieler einzelner Initiativen in ein gemeinsam getragenen „Impulsprogramm“ zur Innenstadtentwicklung zu bündeln. Als sichtbare Produkte wurde ein Zukunftsprofil mit Umsetzungsmaßnahmen erstellt. In weiterer Folge wurden zahlreiche Maßnahmen, wie der Gründungswettbewerb „Gründerherz“, ein nachhaltiger Einkaufsführer „Gutes Finden“ und das „Kleinstadtbiotop“ zur nachhaltigen Belebung der Innenstadt gesetzt.

Innenstadt-Agenda Vöcklabruck

 

Welser Innenstadtagenda 21

Als erste Statutarstadt setzte sich Wels von 2009 bis 2015 mit dem Konzept einer Innenstadt-Agenda auseinander. Ziel war zu Beginn vor allem die Ideenfindung für eine zukunftsfähige Entwicklung der Innenstadt durch die Beteiligung der BürgerInnen und MeinungsträgerInnen. Im Zentrum der Betrachtung stand die Stärkung der Lebensqualität mit ganzheitlichem Ansatz. Dabei wurden verschiedene konkrete Vorhaben in der Welser Innenstadt – entsprechend den Prinzipien der Agenda 21 – geplant und umgesetzt werden.

Das  „Welser Innenstadtagenda 21“ verlief in drei Phasen: der Analysephase mit einer Anamnese durch Innenstadtbegegnungen, qualitativen Interviews und Gesprächen sowie der Suche nach Potentialfeldern durch Innenstadtdialoge; einer Zukunftswerkstatt, aus der sich die Agenda-Gruppen formierten und der Umsetzungsphase mit insgesamt ca. 200 aktiven Beteiligten.


Aufbauend auf die Zukunftswerkstatt bildeten sich zahlreiche Projektgruppen, die im Dialog mit der Prozesssteuerung und dem Projektteam ihre Umsetzungsvorhaben definierten, verfeinerten und realisierbar gestalteten. Insgesamt bildeten sich in vier Themenbereichen 13 Agenda 21 - Gruppen, die Projekte umsetzten wie z.B. die Realisierung von Themenwegen durch die Stadt, die Umgestaltung von öffentlichen Räumen oder Bewusstseinsbildung für Nachhaltigkeit in der Stadt.

Abgeschlossen wurde die Agenda.Zukunft - Arbeit 2015 mit der Eröffnung des Freiraum Wels, der seitdem allen engagierten Welserinnen und Welsern für ehrenamtliche Aktivitäten zur Verfügung steht.

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