Sandra Schwarz, Steffi Moser und Architekt Peter Wimmesberger mit einem Schild mit der Aufschrift Gemeinsam Dahoam.
Beitrag
Innviertel-Hausruck
14.12.2021

Gemeinschaftlich und flächensparend Wohnen im Innviertel

Die Wohnbedürfnisse sind im Wandel. Sei es aufgrund der spürbar steigenden Baukosten, der Achtsamkeit im Hinblick auf Bodenverbrauch oder weil Menschen neue Wohnformen an anderen Orten kennen und schätzen lernen. Diese Veränderung bietet auch Chancen für alternative Wohnformen neben dem Einfamilienhaus. Wohnen in Gemeinschaft kann dabei eine Möglichkeit sein. Die Regionalmanagerinnen Stefanie Moser und Sandra Schwarz (RMOÖ GmbH) initiierten gemeinsam mit Architekt Peter Wimmesberger ein Agenda 21-Impulsprojekt zum Thema gemeinschaftliches Wohnen. Im Interview erzählen sie, warum diese Wohnform auch für den ländlichen Raum interessant ist und was sie mit dem Projekt in der Region Innviertel-Hausruck vorhaben.

Stefanie und Sandra, ihr seid die Initiatorinnen des Projekts “Gemeinsam Dahoam”. „Gemeinsam Dahoam“ - was soll das sein?

Sandra: „Gemeinsam Dahoam“ ist ein Pilotprojekt der Inn-Salzach EUREGIO, das sich dem Thema gemeinschaftliches Wohnen in der Region Innviertel-Hausruck proaktiv widmet. Mit Architekt Peter Wimmesberger haben wir einen Projektpartner mit Expertise mit im Boot. Gemeinsam wollen wir das Bewusstsein und Interesse für neue Wohnformen am Land wecken und attraktive Alternativen zum Einfamilienhaus aufzeigen.

Was heißt gemeinschaftlich Wohnen?

Sandra: In gemeinschaftlichen Wohnprojekten leben Menschen von jung bis alt zusammen. Es ist aber keine WG, sondern jede/r Bewohner/in oder Familie hat seine/ihre eigene Wohnung. Das Besondere an diesen Wohnprojekten ist, dass es attraktive Gemeinschaftsräume z.B. für Kinderbetreuung, für Veranstaltungen, für gemeinsames Kochen, Garteln, Werkeln oder was auch immer gibt. Diese Gemeinschaftsräume werden von allen BewohnerInnen geteilt und gemeinsam genutzt. Der soziale Aspekt bzw. die Gemeinschaft spielt bei gemeinschaftlichem Wohnen eine entscheidende Rolle und bildet einen Mehrwert für die BewohnerInnen. Die Architektur des Gebäudes soll das soziale Zusammenleben aktiv unterstützen. Die Bedürfnisse nach gegenseitiger Unterstützung und Rückzug sollen gleichermaßen gedeckt werden.

Wie kann das funktionieren?

Stefanie: Damit gemeinschaftliches Wohnen bei uns am Land gut funktioniert, braucht es eine aktive Einbindung aller Beteiligten: Gemeinde, interessierte BewohnerInnen, AnrainerInnen und ggf. auch GrundstückseigentümerInnen. Gemeinsam wollen wir die Bedürfnisse möglichst aller Beteiligten bei der Planung der Projekte berücksichtigen. Es geht weniger darum, wie das Haus am Ende genau aussieht, sondern vielmehr um die Wünsche und Werte der zukünftigen BewohnerInnen, NachbarInnen und Gemeinden rund um das Thema Wohnen. So wünschen sich junge Familien vielleicht (Frei-)Räume, in denen ihre Kinder spielen können, ältere Menschen barrierefreie Wohnungen, in denen sie lange selbstbestimmt leben können und die kreative Nachbarin einen Raum zum Handwerken.

Welche Rolle spielt Architektur dabei?

Peter: Wenn wir von Architektur sprechen, sprechen wir über die Gestaltung und Formulierung von Räumen, sowohl von Außen- als auch von Innenräume. Diese Formulierung und Gestaltung ruft in uns Gefühle hervor, wie Ruhe oder Unruhe, Wohlbefinden, Dynamik usw., was unsere Gesellschaft direkt und vor allem indirekt beeinflusst. Die Architektur solcher Visionen ist einer der wesentlichsten Bausteine, um dieses Miteinander zu fördern. Ich bin der Ansicht, dass wir uns im Moment im Umbruch befinden, was unsere eigenen Werte betrifft - einer der positiven Aspekte unserer Pandemie! Es geht beispielsweise nicht mehr nur darum, billig zu Wohnen, sondern vielmehr um hochqualitative und flexible Räume und Wohnformen, die mehr Wohnqualität und Lebensqualität bieten, vielleicht auf weniger Fläche, aber diese besser durchdacht und vor allem mit wertigen Materialien gebaut. Ich möchte mein Know-how dazu einbringen, leistbares Wohnen zu ermöglichen - aber nicht im Sinne von billig. Es geht darum, bessere, leistbare Qualität umzusetzen, das ist die Herausforderung.

Wieso interessiert euch das Thema?

Stefanie: Wir finden, dass die Zeit für alternative Wohnformen reif ist – und zwar nicht nur im urbanen Raum, sondern auch am Land. Die Veränderung der Bevölkerung mit wandelnden Altersbildern und unterschiedlichen Lebensstilen, kaum verfügbarem Bauland sowie das Bedürfnis nach leistbarem Wohnraum erfordern neue Wohnformen. Es braucht alternative Wohnmodelle, die sich an die wechselnden Wohnbedürfnisse in unterschiedlichen Lebensphasen anpassen können und die Raum bieten, um sich zu begegnen, einander kennen zu lernen und sich auch mal unkompliziert unter die Arme zu greifen, wenn jemand Unterstützung braucht.
Peter: Ich sehe, dass zukünftige Generationen andere Werte leben als vorhergehende. Arbeit hat oftmals nicht mehr den wichtigsten Stellenwert. „Work Life Balance“ ist zum Standard geworden, auch die Gemeinschaft wird wieder zentraler. Diese Generation möchte natürlich auch ein qualitativ hochwertiges Leben führen. Der vermeintliche Traum der Freiheit in der Form von Einfamilienhäusern wird aber zunehmend kritisch betrachtet, zumal sich diese Generation sehr wohl darüber im Klaren ist, dass Einfamilienhäuser den Großteil der Bodenversiegelung verantworten und auch kaum mehr leistbar sind. Ich denke, wir als Gesellschaft und vor allem wir Architekten müssen Verantwortung für Grund und Boden und unsere Umwelt übernehmen. Wir sind gefordert, Alternativen zu Einfamilienhäusern vorzuschlagen, die nachhaltig sind und vor allem müssen wir diese Gebäude über den gesamten Lebenszyklus betrachten.

Wen wollt ihr mit eurem Projekt ansprechen? Für wen ist das?

Stefanie: Wir wollen Menschen ansprechen, die auf der Suche nach einer Alternative oder etwas Neuem im Bereich Wohnen sind. Menschen, bei denen das Miteinander und nicht die Anonymität im Vordergrund steht. Das können junge Familien sein, die lieber in Gemeinschaft anstatt im isolierten eigenen Einfamilienhaus leben. Junge Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt z.B. aus der Stadt aufs Land verlagern wollen. Ältere Personen, denen ihr derzeitiges Haus zu groß wird und die Arbeit drum herum zu mühsam geworden ist oder Menschen, die alleine leben und das Gefühl der Vereinsamung plagt. Niemand ist ausgeschlossen! Ziel ist es, in Pilotgemeinden im Innviertel ein gemeinschaftliches Wohnmodell bis zur Realisierung zu begleiten.

Wenn ich mich für gemeinschaftliches Wohnen interessiere, wo kann ich mehr erfahren?

Sandra: Direkt bei uns als Ansprechpersonen bzw. auf der Plattform "Gemeinsam Dahoam". Alle, die bei uns ihr Interesse bekunden, werden über aktuelle Entwicklungen und potenzielle Wohnprojekte zum Thema „Gemeinsam Dahoam“ in der Region informiert, mit anderen Interessierten vernetzt und zu Veranstaltungen eingeladen. Wir freuen uns, wenn wir zu diesem Thema mit vielen Menschen gemeinsam neue, zeitgerechte Wohnformen entwickeln können.

Gemeinsam Dahoam - Homepage Inn-Salzach Euregio

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